Sie war schwarz, groß, hatte eine verzierte Schalllochrosette, Perlmutteinlagen auf dem Griffbrett und zwei Schlagbretter, je eines unterhalb und oberhalb des Schallloches. Ich habe diese Gitarre sofort geliebt, und dann lag sie auch tatsächlich an Heiligabend unter dem Weihnachtsbaum. Ich war 13, ich konnte Klavier spielen, aber von Gitarren hatte ich - noch - keine Ahnung, ich wusste nur, dass ich das lernen wollte: so coole Songs zu spielen wie meine Vorbilder, die Beatles. Dass die Gitarre - nicht zuletzt, weil Schlagbretter (und dann gleich zwei davon!) die Vibration der Gitarrendecke beeinträchtigen - sehr leise klang, war mir zunächst nicht bewusst, und es war auch nicht wichtig. Wichtig war, dass sie sich gut spielen ließ. Und genau darauf kommt es an, wenn man anfängt, das Instrument zu erlernen: dass man sich beim Üben nicht die Finger bricht. Die Bewegungsabläufe in das Muskelgedächtnis einzuspeisen, damit sie mit der Zeit zu etwas Selbstverständlichem werden, ist schon anspruchsvoll genug. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Stahlsaiten tiefe Spuren in den Fingerkuppen hinterlassen, es kann schon ein bisschen wehtun, solange sich noch keine Hornhaut auf den Kuppen gebildet hat (weshalb manche der Auffassung sind, dass sich für Anfänger Gitarren mit Nylonsaiten besser eignen, aber dazu demnächst in einem eigenen Artikel mehr). Da muss dann aber wenigstens der Rest stimmen: Die Saitenlage darf nicht zu hoch und der Gitarrenhals kein Baseballschläger sein, es muss sich gut anfühlen und leicht, darauf zu spielen. Wahnsinnig toll muss sich das erste Instrument nicht anhören, es sei denn, man will gleich und sofort auf die Bühne und mit 17 ein Teeniestar sein. Bespielbarkeit ist für eine Anfängergitarre wichtiger als der Klang.